Public Transport by Höft & Wessel  / Almex.Letter [2/2010]
 
 
Interview mit Berthold Radermacher


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Telematik

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Bentheimer Eisenbahn AG



Almex.Letter [2/2010]

 
Poleposition für Bus und Bahn

„Telematiksysteme sind nicht nur etwas für die Formel 1, sie machen auch die Prozesse von Verkehrsbetrieben effizienter und steuerbar”, sagt Berthold Radermacher, Fachbereichsleiter und Betreuer des Unterausschusses ITCS (Intermodal Transport Control System) beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Herr Radermacher, der Begriff Telematik ist vielen Menschen aus der Formel 1 bekannt, wo über die Funkverbindung zwischen Auto und Box Daten wie Gaspedalstellung und Kühltemperatur übertragen werden. Was bedeutet Telematik bei öffentlichen Verkehrsmitteln?
Grundsätzlich ist der Begriff Telematik aus zwei Worten zusammengesetzt, nämlich aus Telekommunikation und Informatik. Für Verkehrsbetriebe bedeutet Telematik die Fähigkeit, kontinuierlich Daten zwischen Fahrzeug, Strecke und Leitstelle in beide Richtungen austauschen zu können. Das läuft über unterschiedliche hochverfügbare Analog- und Digitalfunkverbindungen oder in der Region auch über öffentliche Netze wie GPRS. Übrigens ist die Telematik im öffentlichen Verkehr viel älter als in der Formel 1.

Aber die Formel 1 gibt es seit mehr als 60 Jahren!
Erinnern Sie sich an die alten Wildwest-Filme? Auf den Bahnhöfen werden Daten über die Ankunft der Dampflokomotiven über optische Signale oder Morsezeichen der Telegrafie übertragen. So konnten etwa die Ankunftszeit und eventuelle Störungen bereits im 19. Jahrhundert übermittelt werden. Das war Telematik in einer ursprünglichen Form.

Ist die Ankunftszeit heute noch wichtig?
Ja, klar. Die räumliche Position eines Busses oder einer Bahn ist der wichtigste Parameter unter den vielen verfügbaren Daten. Wenn Sie wissen, wo ein Fahrzeug ist, können Sie zum Beispiel an einer Haltestelle die voraussichtliche Ankunftszeit anzeigen und das auf Basis der realen Position. Die Fahrgäste wissen das sehr zu schätzen und im Kundenbarometer erhält diese Funktionalität immer ausgezeichnete Werte.

Welchen weiteren Nutzen hat die Telematik?
Die Fahrgäste profitieren unmittelbar davon, dass sie verlässliche Informationen über ihre Abfahrtszeit bekommen und mittelbar davon, dass die Prozesse der Verkehrsbetriebe reibungsloser ablaufen. Ein Fahrplan ist eben ein Plan, und der wird auch schon einmal von der Realität durchkreuzt. Da kann es Störungen durch Baustellen und Staus geben, einen plötzlichen Nachfrageschub durch das Ende einer Veranstaltung oder auch mal eine Panne. Über die Telematik werden diese Daten ausgetauscht oder direkt zwischen Leitstelle und Fahrer besprochen. So können die Unternehmen flexibel auf die aktuellen Ereignisse reagieren.

Haben die Verkehrsbetriebe auch einen betriebswirtschaftlichen Nutzen?
Selbstverständlich. Wenn sie ihre Busse und Bahnen optimal einsetzen können und in der Lage sind, schnell auf neue Situationen zu reagieren, sparen Sie Geld. Das funktioniert heute schon sehr gut und wird noch besser werden: Die Datenverbindungen werden schneller und zusätzliche Informationen, etwa durch E-Ticketing, helfen bei der Planungs- und Prozessoptimierung der Verkehre. Kurz: Mit Telematik und den dazugehörigen Leit- und Sicherungssystemen im Schienenverkehr kann das Management der Verkehrsunternehmen seine Kernprozesse effizient steuern. Damit sind Betriebe nicht nur für die Gegenwart gerüstet, sondern auch für die Zukunft, wo der öffentliche Verkehr eine größere Rolle einnehmen wird.

Gibt es noch weitere Vorteile?
Ja, den Schutz der Fahrgäste. Der ÖPNV bietet mit seinen Bussen und Bahnen die sichersten Verkehrsmittel überhaupt an. Sicherheit bedeutet dabei zweierlei: zum einen die direkte Betriebssicherheit. Durch Leit- und Sicherheitssysteme werden im Schienenverkehr Unfälle unterbunden. Zum anderen gibt es die indirekte Sicherheit: Eine Überwachungskamera mit Liveübertragung verhindert eine Straftat zwar nicht direkt. Aber das Wissen um diese Möglichkeit schreckt ab.

Berthold Radermacher: Der 49-jährige Elektroingenieur ist seit 1999 Fachbereichsleiter Normung, Forschungskoordination und Industriekontakte im VDV und betreut seit 2008 den Ausschuss für Telematik und Informationssysteme (ATI).

Der VDV-Unterausschuss ITCS veranstaltet jedes halbe Jahr ein Seminar zur Telematik. Neues zu Leit- und Sicherungssystemen stellt der Unterausschuss Zugsicherungstechnik (ZST) auf seinem jährlichen Kolloquium vor.

Mehr Informationen unter: www.vdv.de und www.itcs-info.de.